... eine "fantastische" Geschichte zum TT-Ball
Mein Name ist ***B., Double-Fish ***B. Kürzlich ging es noch richtig rund in meinem Leben. Nun liege ich hier in der Ecke, von niemandem mehr beachtet. Ich fühle mich innerlich zerrissen und
flach wie eine Flunder. Da ist ganz einfach die Luft raus. Dabei hatte alles so gut angefangen.
Auf die Welt kam ich in Asien, zunächst einmal in zwei Teilen. Dann fügte man mich zu der respektablen Größe von 40 mm zusammen und mit 2,8 Gramm ein absolutes Leichtgewicht. Äußerlich bin ich weiß
von Geburt an; aber ich hatte auch Artgenossen in gelb und mattorange. Nach eingehenden Tests erhielten wir alle einen Namen und einen Gütestempel mit der Aufschrift ITTF. Ich bekam noch den
Adelstitel verliehen, nämlich drei Sterne. Andere hatten halt Pech und gingen leer aus. Damit war klar, wo sie letztlich landen würden. Ihr Einsatzgebiet lag nur im Übungsbereich. Mir dagegen
eröffneten sich tolle Perspektiven auf höchstem Niveau. Meine Kumpel hatten alle andere Namen bekommen, z.B, Hanno, Schildkröt, Friendship, Donic, Joola, Gewo, Stiga, TSP oder Butterfly. Na ja, ich
war jedenfalls stolz auf meinen Namen. Doublefish, das hat doch nen exotischen Klang. Beim Nachnamen hat ihnen allerdings die Fantasie versagt, da heißen wir alle ***-Ball.
Für die Reise packte man mich in einen Karton, wo ich mir den Platz mit vielen Kameraden teilen musste. Dicht gedrängt lagen wir zusammen; dunkel war es auch. Ich malte mir in Gedanken meine weitere
Zukunft aus. Ich träumte bereits von einer Teilnahme bei Welt- meisterschaften. Eines wusste ich schon, ohne mich käme kein Spiel zustande. Ich wurde also gebraucht.
Mit diesem Selbstvertrauen ausgestattet, konnte mir eigentlich nichts pas- sieren auf dem Weg nach oben. Dachte ich so.....
Nach einer langen Reise erreichte ich endlich mein Ziel Hoya. Das klang sehr nach Japan, aber weit gefehlt. Es handelte sich um ein Provinznest im fernen Deutschland.
Nach dem man mich aus dem Karton befreit hatte, begann mein sprunghaftes Leben. Es ging richtig rund für mich. Da konnte einem ganz schön schwindlig werden. Ich erreichte tolle Geschwindigkeiten, da
gabs nichts zu meckern. Und das in geschlossenen Räumen !!! Mal ging es hoch hinaus, dann wieder wurde ich durch ein störendes Netz eingefangen. Das tollste Vergnügen bereitete mir der Tanz auf der
Kante dieses Netzes. Leider war der Spaß meist nur auf meiner Seite, denn die Akteure am Tisch waren in der Regel wenig amüsiert .Da fielen häufig nicht so nette Worte. Etwas mehr Contenance und
sportliche Haltung wären durchaus angebracht. Überhaupt ist man im Umgang mit mir – Double-Fish ***B – nicht immer zimperlich in der Wahl der Behandlung mei- nes Körpers.
Hier eine Auswahl der Begriffe, die sie im Zusammenhang mit mir im Munde führen :
Anschlag ( sind sie Terroristen ? ), Aufschlag, anschneiden, schnibbeln, schubsen, schieben, hauen, brettern, reinhacken, ziehen, schmettern, anreißen, reinsägen, abwehren.
Bevor sie ihren "Anschlag" ausführen, zeigen mir einige Herren, was darunter zu verstehen ist. Um die Wichtigkeit zu unterstreichen, hauen sie mir mehr- mals hintereinander auf den Kopf. So heftig
allerdings, daß man direkt vor Wut platzen könnte. Die ganz sensiblen Akteure sind da von anderem Kaliber. Bevor sie anfangen mit ihrem Spiel, legen sie mich auf den Tisch und schnip- pen mich
zwischen zwei Fingern. Dann drehe ich mich wie verrückt um die eigene Achse. Bei der geringsten Abweichung hast du verloren, sofort gehts zurück in den Karton.
Das klingt eigentlich mehr nach Gewalt, als nach einem beliebten Ballspiel. Und so geht es auch zu an diesem grünen Tisch.Unverständlich, weil ich doch guten Willens bin Es gibt aber auch
Zeitgenossen, die sich aufs Filigrane verstehen. Da machts richtig Spaß. Aber leider gab es in dieser Turnhalle zu wenige davon.
Die nächste Kategorie von Aktiven hat es sich zur Aufgabe gemacht, mich minutenlang über den grünen Tisch zu "schupfen". Wieder so ein Fachbegriff, der vorwiegend von älteren Damen und Herren mit
Leben erfüllt wird. Da sind die jungen Leute anders gestrickt. Bei einem gepflegten "Topspin" kann ich meine ganze Beweglichkeit demonstrieren und mich drehen, was das Zeug hält.
In einem Spiel zweier „Grobtechniker“ ging es anfangs sehr gesittet zu, aber dann kam es zu einer erregten Diskussion, ob ich noch die Kante berührt hätte oder nicht. Bei dieser „netten“ Unterhaltung
lag ich hilflos am Boden hinter einem der Akteure. Das Letzte, was ich sah, war eine große, dunkle Fläche, die auf mich zukam. Ende, aus , das war es dann.. So ging dem Traum von einer
Weltmeisterschaft jäh die Puste aus.

Autor und Copyright :
Double-Fish alias ***-Ball alias Schildkröt
Anmerkung :
Die Story wurde aufgezeichnet von "Ballflüsterer" Banjo nach intensiven Kontakten mit dem Autor.
Ähnlichkeiten mit noch lebenden Personen sind rein zufällig !!
Take it easy, my dear friends
Hoya, 2. April 2010
